Erfahrungen mit ValoNet: Verdächtig hohe Verdienstchancen – VORSICHT

Vorsicht - WarnungDie Einladung zum ersten Produkttest kam prompt: Nur zwei Stunden nach meiner Anmeldung bei dem Marktforschungsinstitut ValoNet wurde ich zu einem Produkttest für ein Online-Konto eingeladen. Die Belohnung dafür – ganze 60 Euro – hörte sich so üppig an, dass ich misstrauisch wurde. Ich habe mir den neuen Anbieter, der gerade bei Google aggressiv um neue Testpersonen wirbt, genauer unter die Lupe genommen. Hier im Testbericht zeige ich, warum man bei diesem Anbieter vorsichtig sein sollte.

von Testpiloten.info-Chefredakteur Dominik Schuster

Update 18.12.18: ValoNet ist nicht mehr erreichbar
Die Internetseite „ValoNet“ ist inzwischen nicht mehr im Internet erreichbar. Auf der Internetseite erscheint der Hinweis „Account Suspended“. Wir hoffen, dass durch unseren Beitrag zu ValoNet noch viele rechtzeitig vor dem angeblichen Produkttest-Anbieter gewarnt wurden und sich nicht mehr angemeldet haben.
Update 16.10.18: weitere Details bestätigen unsere Warnung vor ValoNet
Wir liegen offenbar mit unserer Warnung vor ValoNet richtig – das bestätigen auch weitere Rückmeldungen. Weitere Unternehmen, die bei valonet.de als angebliche Kunden und Referenzen aufgeführt werden, distanzieren sich auf unsere Anfrage hin von dem angeblichen Marktforscher ValoNet. So schreibt uns etwa das Wettportal bet-at-home.com per Email: „bet-at-home.com arbeitet derzeit und hat auch in der Vergangenheit nicht mit dem von Ihnen genannten Unternehmen ValoNet zusammengearbeitet. Die Angabe als Referenz ist daher falsch.“ – Außerdem haben wir direkt von der aestimium GmbH erfahren, dass die von ValoNet veröffentlichten AGB (siehe unten im Bericht) offenbar ungefragt von deren Internetseite empfohlen.de übernommen worden sind.

Wer bei Google den Suchbegriff „bezahlte Umfragen“ eingibt, stößt zur Zeit eventuell auch auf eine Anzeige der Internetseite „ValoNet.de“. Jedenfalls ging es mir so, dass ich neben normalen – d.h. unbezahlten – Suchergebnissen auch ziemlich deutlich auf dieses auf den ersten Blick interessante Marktforschungsunternehmen verwiesen wurde. Die Anzeige klingt vielversprechend, so dass ich klickte und bei der ansprechend gestalteten Internetseite www.valonet.de landete:

ValoNet: Ist das seriös? - Test
Screenshot: „Bis zu 100 Euro pro Umfrage“ – So wirbt ValoNet bei Google

„ValoNet“? Ich hatte bisher noch nie von diesem Marktforscher gehört, der laut Impressum in München sitzt und als GbR organisiert ist. Laut Internetseite werden gerade bei ValoNet neue Testpersonen für Umfragen und Tests gesucht. Das besondere bei ValoNet sind die angekündigten hohen Verdienste für Tester: „Verdienen Sie bis zu 100,00€ pro Umfrage oder Test“, das steht in großen Buchstaben auch direkt auf der Startseite des Marktforschers. Die angeführten Referenzen klingen auch nicht schlecht: Unter anderem Commerzbank, Check24, GfK und Bet-At-Home zählt der Service als Kunden auf, die mit dem Marktforscher zusammen arbeiten:

ValoNet: Bis zu 100 Euro pro Umfrage? - Screenshot
Gute Referenzen – und hohe Verdienstchancen: So steht es auf der Internetseite von ValoNet (Screenshot vom 09.10.2018)

100 Euro pro Teilnahme an einer Umfrage: Ist das seriös?

100 Euro pro Teilnahme an einem Test oder einer Umfrage – das hört sich eigentlich zu gut an, um wahr zu sein. Es macht mich generell misstrauisch, wenn ein seriöser Marktforscher mit so hohen Summen um neue Testpersonen wirbt. Wir hatten einen ähnlichen Fall vor längerer Zeit auch schon mit einem Online-Dienst namens „Umfragenscout.com“. Als langjähriger Teilnehmer an Online-Umfragen und Produkttests weiß ich, dass man durch die Teilnahme an Umfragen und als Produkttester zwar ein gutes Taschengeld verdienen kann. Wer an wirklich vielen Umfragen bei verschiedenen Instituten teilnimmt, kann durchaus auch mal 100 Euro pro Monat verdienen. Dann hat man aber auch einige Stunden Arbeit investiert. 100 Euro pro Teilnahme an einer einzelnen Aktion – das ist aber nach meinen Erfahrungen die absolute Ausnahme und wird höchstens für die Teilnahme an einer mehrstündigen Fokusgruppe vor Ort ausgezahlt.


Zum Testen: Meine Anmeldung bei ValoNet

Schon etwas misstrauisch geworden, habe ich mich trotzdem bei ValoNet als Tester registriert. Ich wollte gerne herausfinden, ob es hier tatsächlich so hohe Vergütungen für die Teilnahme an Online-Befragungen und Tests gibt. Vorab studierte ich noch die Geschäftsbedingungen, um sicher zu gehen, dass ich mich hier nicht auf ein kostenpflichtiges Abo einlasse. Die AGB fand ich soweit nach einem kurzen Check unbedenklich: Die Mitgliedschaft ist kostenlos, ausgezahlt wird ab 30 Euro. Erst später fiel mir ein Detail auf, das nicht recht passte – dazu aber unten mehr.

Über den roten Button oben rechts auf der Internetseite valonet.de kann man sich als Testperson bewerben. Es werden die vollständigen Adressdaten inklusive Geburtsdatum abgefragt. Außerdem muss bestätigt werden, dass man 18 Jahre alt ist. Sogar die Telefonnummer ist ein Pflichtfeld und muss angegeben werden. Es werden also wirklich viele persönliche Daten abgefragt. Ob das mit der neuen Datenschutzgrundverordnung vereinbar ist (Stichwort: Datensparsamkeit) ist eine andere Frage. Auffällig ist, dass man bei der Anmeldung nicht bestätigen muss, dass man den AGB oder den Datenschutzrichtlinien zustimmt. Das ist bei den mir bekannten anderen Marktforschern üblich.

Schon kurz nach der Bewerbung, wurde meine Anmeldung per Email mit einer freundlichen – natürlich automatisierten – EMail bestätigt. Ein Mitarbeiter von ValoNet stellte sich hier als mein persönlicher Marktforschungs-Team Betreuer so vor:

Herzlich Willkommen im ValoNet-Marktforschungs Team,

ich heiße [NAME DER REDAKTION BEKANNT] und bin ihr persönlicher Marktforschungs-Team Betreuer.
Zusammen mit Ihnen helfen wir gute Produkte noch besser zu machen.
Zu unseren Kunden zählen Unternehmen wie Commerzbank, H&M, Check24, Nielsen, Tipp24.com, GfK und viele weiter Größen aus allen Gewerblichen Bereichen.
Besonders in Zeiten des Internets sind Produkttest unabdingbar für eine gute Kundenbindung geworden, denn Qualität und kundenfreundliche Produktbedienung erfordert Produkttesting.
Mit mehr als 500 Produkttestern aus ganz Deutschland, in jeder Altersgruppe, unterstützen wir zahlreiche Unternehmen mit unseren Meinungen und Empfindungen.

Wir sind dabei Ihre Bewerbung zu bearbeiten.

In Kürze erhalten Sie von uns die aktuell verfügbaren Angebote.

Mit freundlichen Grüßen
[NAME DER REDAKTION BEKANNT]

Diese erste Kontaktaufnahme klingt freundlich – und es ist absolut ungewöhnlich, dass sich nach der Anmeldung bei einem Online-Panel ein „Betreuer“ meldet. Aufgefallen ist mir dabei nur, dass der angebliche Ansprechpartner im Impressum von ValoNet gar nicht genannt ist.

Die erste Einladung zum Produkttest: Nur zwei Stunden nach der Anmeldung

Nun ging ich davon aus, dass ich erstmal einige Zeit auf eine erste Einladung zum Produkttest warten musste und war umso überraschter, dass bereits zwei Stunden nach meiner Anmeldebestätigung die erste Einladung zu einem Projekt in meinem Emailpostfach eintrudelte. Ich sei aufgrund meiner Profilangaben zu einem „Mitarbeiter und Funktionstest“ für eine Banking-App eines Kooperationspartners ausgewählt worden. Der Test würde 10 bis 30 Minuten dauern. Als Belohnung wurden mir ganze 60 Euro direkt per Paypal oder Banküberweisung angeboten. Um an dem Test teilzunehmen, sollte ich einfach auf die Email antworten und würde dann Zugangsdaten für die zu testende App erhalten.

Nur kurz nach meiner Antwort auf die Mail bekam ich tatsächlich individuelle Benutzerdaten für die App der Online-Bank N26 und eine Anleitung zum Testen. ValoNet hatte für mich extra eine Emailadresse angelegt und teilte mir dafür auch das Passwort mit.

Die Beschreibung des weiteren Vorgehens lautete so: Ich sollte die App zuerst herunterladen und installieren, mich mit den von ValoNet mitgeteilten individuellen Zugangsdaten einloggen, dann einen Video-Chat mit dem Mitarbeiter der App durchführen und das Gesprächsprotokoll im Anschluss an ValoNet schicken. Der Mitarbeiter sollte dabei auf „Höfflichkeit (sic!), Freundlichkeit und Sympathie“ getestet werden, wie in der Email von ValoNet steht:

ValoNet - agenblicher Produkttest für N26 - Seriös?
Screenshot aus der Email von ValoNet

Ausweisdaten für einen Produkttest?

Soweit – Auftrag verstanden, die 60 Euro Belohnung lockten mich. Nur ein Detail in der Auftragsbeschreibung machte mich sofort stutzig: Ich sollte in dem Video-Gespräch mit dem Mitarbeiter der App auch meinen Ausweis parat haben, um meine Echtheit im Video-Chat zu bestätigen und mich zu legitmieren. Meinen Ausweis für einen Online-Test rausrücken? Das war mir nun doch sehr verdächtig. Eine Legitimierung mittels Ausweis im Video-Chat war mir bisher nur von der Kontoeröffnung für eine Kreditkarte bekannt. Ich wollte hier aber ja gar kein N26 Konto eröffnen, sondern nur an einem Produkttest zu dieser App teilnehmen.

Jetzt wird’s spannend: N26 weiß nichts von einer Kooperation mit ValoNet!

Statt den Test durchzuführen, fragte ich also per EMail erstmal bei dem Anbieter der angeblich zu testenden App N26 nach, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht. Mit etwas Verzögerung kam direkt aus der Presseabteilung dieses Statement, das ich mit Erlaubnis von N26 direkt zitiere:

Bestätigung von N26: Email Screenshot

N26 hatte also den Test der eigenen App definitiv nicht bei ValoNet in Auftrag gegeben, so viel ist sicher. Wer aber kann sonst ein Interesse an einem Test der N26 App haben, wenn nicht die Bank selbst? In Frage kommt eigentlich nur noch der Entwickler der App – dann müsste aber N26 doch auch Bescheid wissen.

Für mich war das Anlass genug, erstmal einen weiten Bogen um ValoNet zu machen und hier für Testpiloten.info einen entsprechenden Artikel mit einer vorsorglichen Warnung vorzubereiten. Kann es sein, dass es hier nicht um Marktforschung geht, sondern eine findige Methode Produkte zu vermitteln und die Provision einzustreichen – in diesem Fall über die Vermittlung der N26 Banking App?

Interessantes Detail: Die AGB sind auch verdächtig!

Schon sensibilisiert, habe ich dann nochmal einen genaueren Blick auf die AGB von ValoNet geworfen. Dabei stieß ich gleich im ersten Satz der AGB auf einen folgenschweren Fehler. Hier steht zu lesen:

Die Website www.valonet.de (nachfolgend „Website“) – und der hierauf angebotene Bewertungsservice (nachfolgend als „Service“ bezeichnet) werden von der aestimium GmbH, Jungfernstieg 47, 20354 Hamburg (nachfolgend „Anbieter“) betrieben.

Aestimium GmbH? Im Impressum von ValoNet steht doch etwas ganz anderes, nämlich die ValoNet Marktforschungen GbR mit Sitz in München. Aestimium ist uns aber auch bekannt: Diese Hamburger GmbH betreibt den an anderer Stelle getesteten Service empfohlen.de. Der Clou: Die AGB von ValoNet sind über weite Strecken identisch und wortgleich mit den AGB von empfohlen.de. Nur den Tausch der Betreiberfirma hat man beim Kopieren der AGB offenbar vergessen. Klassischer Fall von AGB-Klau oder ist ValoNet etwa ein Ableger der Aestimium GmbH?

Hier der Beweis: Die AGB von empfohlen.de und die AGB von valonet.de sind identisch. Im ersten Satz der AGB hat valonet.de sogar vergessen, den Firmennamen auszutauschen (Screenshot vom 09.10.18):

Valonet AGB vs. empfohlen.de: Identisch

Mein Fazit: Viel zu viele Fragezeigen, um hier weiter teilzunehmen!

Ich rate nach meinen Erfahrungen zur erhöhten Wachsamkeit bei ValoNet! Es gibt hier einige Ungereimtheiten und möglicherweise überzogene Verdienstversprechungen – das ist nicht seriös. Insbesondere werden bei ValoNet offenbar Firmen als Kooperationspartner genannt, die von einer Zusammenarbeit gar nichts wissen. Außerdem teilt sich ValoNet die AGB mit einem anderen Online-Service und fragt ungewöhnlich viele persönliche Daten schon bei der Anmeldung ab. Ich werde bei diesem Service nicht mehr teilnehmen und rate zur Vorsicht. Es bestätigt sich wohl auch in diesem Fall, dass man sich als Online-Tester nicht von hohen Verdienstchancen blenden lassen sollte.

Update Dezember 2018:
ValoNet ist inzwischen nicht mehr im Internet erreichbar. Es erscheint diese Fehlermeldung:
ValoNet Warnung: Nicht mehr erreichbar


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1 Kommentar

  1. Anonym sagt:

    Testpiloten.info ist leider etwas spät mit dem Artikel online gegangen. Die ValoNet hat wohl schon einige um ihr Geld gebracht!